Wie waren die zwei Jahre seit deinem Social-Media-Ausstieg, Maike Burk?

In dieser Podcastfolge habe ich Maike Burk zu Gast. Maike ist SEO-Beraterin und vor zwei Jahren verließ sie Instagram, um sich auf andere Marketingstrategien zu konzentrieren.

Wir sprechen darüber, wie sie sich privat und beruflich von Social Media gelöst hat und wie es ihr zwei Jahre nach dem Social-Media-Ausstieg jetzt geht.

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[Alex] Ja, hallo Maike, ich freue mich sehr, dass du nun schon zum zweiten Mal hier bei mir bist.

Du warst vor zwei Jahren schon mal da, weil du Social Media verlassen hast oder Instagram verlassen hast als SEO-Beraterin. Und nun hat sich dieser Ausstieg gejährt, beziehungsweise sind es jetzt zwei Jahre.

Erstmal hallo und wie geht es dir?

[Maike] Hi, ja, mir geht es gut und danke, dass ich nochmal da sein darf.

Social Media vermisst?

[Alex] Ja, gab es dann in den letzten zwei Jahren Momente, wo du Social Media vermissst hast? Also ganz ehrlich.

[Maike] Also jein. Also zu Beginn ist es halt natürlich auch eine Umstellung und es hat mich vielleicht manchmal auch ein bisschen nervös gemacht oder ich dachte, ich muss irgendwie erreichbar sein und das muss man sich erstmal abgewöhnen.

Ich weiß nicht, ob das mit Vermissen ist, es vielleicht nicht ganz gleichzustellen. Also manchmal hat mir vielleicht gefehlt, so visuell was zu transportieren, weil das schon was ist, was ich auch gerne gemacht habe, dass ich so Infos runterbreche auf so kleine Häppchen. Das konnte man ganz gut mit diesen Karussell-Postings machen.

Videos waren jetzt nie mein Ding und Storys, naja, so mittel. Also wenn, dann hat mir halt so vielleicht diese visuelle Aufbereitung das eine oder andere Mal gefehlt. Oder wenn man doch mal irgendwas teilt, wie man co-workt oder sowas. Aber dann habe ich es halt einfach mal in Newsletter gepackt oder so. Also ein kleines bisschen an der einen oder anderen Stelle, aber das ist jetzt über die Zeit auch weggegangen.

[Alex] Okay. Ja, man gewöhnt sich, glaube ich, auch an so eine Art des Marketings, also wie man Marketing betreibt, dass man dann immer präsent ist und dass man immer alles teilt. Und ich höre das oft, dass man sich dann auch umgewöhnen muss, wie man eigentlich Marketing macht. Ja, ganz spannend.

[Maike] Ja, auf jeden Fall, ja.

Zweifel und Versuchungen

[Alex] Aber gab es denn, also war das nur dieses, dass du dich umgewöhnen musstest oder gab es in den zwei Jahren auch Momente, wo du vielleicht auch wirklich daran gezweifelt hast, dass das die richtige Entscheidung war, wegzugehen? Oder gab es vielleicht sogar Versuchungen, zurückzugehen?

[Maike] Also es gab keinen Ansatz, wirklich zurückzugehen. Also es wurde mir ab und zu mal von außen so ... ja, wurde ich gefragt, ja komm doch wieder und das war so schön und ich habe das immer gerne angeschaut und so.

Ich habe da eher jetzt halt nettes, positives Feedback bekommen und von wegen, ja, fehlst da halt so ein bisschen und diese Berührungspunkte miteinander, so mit der Community. Aber es gab nie wirklich so, ich nehme mir das jetzt vor und ich setze mich jetzt da dran und ich gehe zurück oder ich probiere das nochmal aus. Weil der Anteil, das zu genießen, nicht mehr dort zu sein, der war immer ein bisschen größer. Hat das deine Frage beantwortet?

[Alex] Ja, doch. Aber würdest du dann im Nachhinein irgendwas anders machen beim Ausstieg? Also findest du so, wie du vorgegangen bist, war das gut oder? Hast du irgendwie gedacht, hättest du es anders machen können?

[Maike] Nee, ich würde es nicht anders machen. Also ich muss auch sagen, es ist jetzt auch nicht die allergrößte Entscheidung meines Lebens. Es ist natürlich schon irgendwo eine wichtige Business-Entscheidung, aber da gibt es vielleicht andere Sachen, wo ich mehr drüber sinniere in meinem Leben, was ich hätte anders machen können.

Und bei solchen Sachen, ich glaube, auch diese ganzen Mikromomente, die da drumherum passiert sind, die dahin geführt haben oder die auch danach passiert sind, Und die habe ich alle gebraucht für das, was jetzt ist. Und das, was jetzt ist, ist ja auch kein Endergebnis. Man ist ja immer irgendwo auf einem Weg und das hinterfrage ich eigentlich nicht. Ich glaube, das hat einfach gepasst.

Gründe für den Ausstieg

[Alex] Ja, war die perfekte Entscheidung zur perfekten Zeit. Dann lass uns doch noch einmal zurückgehen. Warum hast du denn eigentlich damals vor zwei Jahren Social Media den Rücken gekehrt? Wie war das?

[Maike] Also wenn ich das vielleicht zeitnah nach dem Ausstieg beantwortet hätte, dann hätte ich vielleicht gesagt, dass dieses Online-Sein, dieses Präsent-Sein, dieses morgens schon irgendwie drüber nachdenken, was poste ich und wie kann ich sicherstellen, dass ich dort auf dem Kanal passiere, indem ich vielleicht gleich morgens eine Story mache.

Und dann bin ich zum Beispiel morgens gerne mal raus an die Isar, der Fluss, der durch München fließt, da wohne ich ziemlich nah dran. Und dann habe ich mir halt überlegt, nehme ich jetzt mein Smartphone mit, um da eine Story zu machen. Das waren so ein paar Sachen, die dann sehr akut waren.

Aber wenn ich jetzt heute nochmal drüber nachdenke, glaube ich, dass bei mir auch insgesamt so eine Überforderung da war in der Selbstständigkeit, weil das auch die Zeit war, wo ChatGPT so groß rauskam.

Und dann muss man ja irgendwie überall am Ball bleiben als Expertin und hat aber auch so viele andere Aufgaben als Selbstständige. Von der Buchhaltung über Zeitmanagement, Kundenbetreuung, Launches, was weiß ich, also womit man sich beschäftigt.

Und ich habe einfach gemerkt, dass die zeitlichen Ressourcen nicht da sind und ich eigentlich meine Arbeitszeit also unter keinen Umständen erhöhen möchte und vielleicht langfristig sogar eher ein bisschen reduzieren will. Und das geht natürlich nicht mit einem gleichen Workload und mit einem Workload, der tendenziell vielleicht auch immer höher wird. Und da musste ich irgendwo eine Linie ziehen.

Also ich glaube, dass das schon auch doch ein größerer Teil war, als ich mir da zu Beginn so wirklich bewusst gemacht habe. Und im Nachhinein habe ich gemerkt, okay, das war einfach alles wirklich viel und ich habe mich auch ein bisschen überfordert gefühlt.

Alternativen zu Social Media

[Alex] Das ist, glaube ich, ein Gefühl, das viele nachempfinden können. Mir ging das total ähnlich. Und wenn du sagst, du bist da jetzt weg, weil du zu wenig Zeit hattest oder dachtest, dass du deine Zeit für anderes nutzen möchtest. Was machst du denn jetzt zum Beispiel konkret oder was hast du in den letzten zwei Jahren für alternative Marketingstrategien für dich genutzt?

[Maike] Also die Zeit finden ja natürlich irgendwie immer. Und da muss ich auch bei mir selber immer mal wieder ein bisschen einchecken und gucken, wenn ich mich jetzt nicht mehr durch Instagram getrieben fühle, was gibt es denn für andere Aspekte des digitalen Zeitalters, durch die ich mich getrieben fühle. Und wenn das wegfällt, merke ich, dass ich da auch selber einen Anteil dran habe mit diesem bisschen doch auch dieses höher, schneller, weiter.

Ich bin da nicht so extrem drin, aber irgendwo muss ich da bei mir selber gucken, was so vielleicht auch Stresspunkte sind oder wo ich denke, ich muss da irgendwie weiterkommen und stattdessen vielleicht mal sagen, okay, der Ist-Zustand ist auch völlig okay und ich kann auch eine Zeit lang im Ist-Zustand schwelgen und da drin bleiben.

Da habe ich halt eigene Anteile. Also das ist dann erst mal so eine Erleichterung. Ah, da fällt jetzt Social Media weg. Ich habe das ja auch privat aussortiert, was auch ein großer zeitlicher Aspekt ist. Aber ich finde dann schon immer neue Sachen, die meine Zeit in Anspruch nehmen. Und ich glaube, deine Frage war ja auch, was sind jetzt so alternative Kanäle, mit denen ich arbeite?

Und da gibt es ja genug und da hatte ich auch von vornherein schon genug, weil ich habe ja auch einen Podcast. Ich habe inzwischen sogar zwei Podcasts und ich habe mich dann tatsächlich auch noch ein bisschen mehr in mein Kernthema rein, also für mein eigenes Marketing reingearbeitet und habe meinen Blog weiter ausgebaut und habe dann in der Zwischenzeit auch meine Website neu aufgesetzt, also einen kompletten Relaunch gemacht. Da ist genug zu tun gewesen und ich habe ja auch immer noch eine Newsletterliste.

Genau, von daher gibt es da noch einige Marketingbausteine, die trotzdem vorhanden sind.

Der zweite Podcast

[Alex] Ja, spannend, dass du jetzt auch einen zweiten Podcast hast. Wie kam das denn dazu? Also scheint Podcast ein Medium zu sein, das für dich gut funktioniert.

[Maike] Ja, also ich mache das total gerne. Ich mag eben auch die Tatsache, dass ich das, ich kann das machen, wenn es dunkel ist, und ich kann das machen, wenn ich im Pyjama da sitze, theoretisch.

Also es ist einfach, weil es halt kein Videoformat ist, relativ niedrigschwellig, würde ich sagen, vom Aufwand her. Und es ist trotzdem ein Format, was jetzt über den Text hinaus vielleicht einfacher ist, um ein paar komplexe Themenfelder zu besprechen und zu erklären oder mal so eigene Anekdoten aus der Arbeit, die man so tagtäglich macht.

Und der zweite Podcast, das war einfach eine super spontane Idee, weil ich mich jetzt mit dem Thema Google Ads auch beschäftige. Und ich dachte, ich hole da meine Community einfach gleich mit rein, ohne dass ich jetzt zwei Jahre lang lernen muss, um mich dann irgendwann da als Expertin zu positionieren.

Also ich positioniere mich quasi eher als Lernende und erzähle dann so von meinem Weg, wie ich da vorgehe und wo ich auch struggle und was so die nächsten Schritte sind.

Das war einfach eine ganz spontane Idee eines Abends nach einer längeren Pause tatsächlich, nach meiner Sommerpause. Da werde ich immer wieder ein bisschen kreativ, wenn ich Abstand habe und dann habe ich das einfach mal probiert jetzt.

Veränderungen im Privatleben

[Alex] Welche Vorteile siehst du denn persönlich, also jenseits dieses Business-Aspekts? Du hast schon gesagt, auch privat bist du weg von Social Media. Hast du da auch für dich da so privat Veränderungen festgestellt an dir in deinem Privatleben?

[Maike] Ja, also es ist einfach weniger konsumieren, also weniger Zeit einfach, die für … Also ups, ich bin jetzt mal eine halbe Stunde auf irgendwelchen Profilen gewesen und habe mir angeschaut, was meine Freunde so machen. Aber ich kann ja auch mit meinen Freunden in Verbindung gehen.

Und also ein Punkt war so, dass ich bei einer Hochzeit nicht dabei war, die in Griechenland war, also auch irgendwie so super schön, wo ich irgendwie dann früher auf Social Media halt geguckt hätte, ja, was posten die da jetzt?

Und ja, man will dann irgendwie sehen, wer war dabei und wie sah das aus? Und da habe ich gemerkt, ja, okay, das verpasse ich halt jetzt, weil ich nicht auf Instagram bin. Und dann fiel mir ein, ich kann halt die Person einfach kontaktieren und fragen, wie war es denn?

Und das zeigt ja auch dann nochmal viel mehr Interesse, als wenn man vielleicht zufällig sich die Bilder angeguckt hat und die andere Person sieht, ah, sie hat jetzt meine Story gesehen. So, von daher habe ich einfach nachgefragt.

[Alex] Es ist eigentlich ziemlich banal, aber ich glaube, dass man das echt vergisst, einfach mal den Menschen so zu fragen.

[Maike] Total, ja.

Nachteile und Kompensation

[Alex] Und wo siehst du denn bis heute oder wo hast du bis heute so die größten Nachteile erlebt, privat und beruflich?

Du hast jetzt zum Beispiel gesagt, okay, du hast jetzt nicht mitgekriegt, wie es auf einer Hochzeit war.

Beruflich hast du gesagt, die Community wünscht sich vielleicht, dass du da mehr aktiv bist. Hast du denn irgendwie so aktiv versucht, Nachteile zu kompensieren, die du festgestellt hast?

[Maike] Eigentlich nicht. Also mir fällt jetzt keiner ein. Also klar, wenn ich jetzt sage, ich bin irgendwie abhängig von vielen Neukundenakquise, dann könnte das ja vielleicht sein, dass ich irgendwann mal merke, da kommt jetzt weniger rein.

Aber ich habe das nicht gemerkt und ich finde es auch sehr schwer auszuwerten, was kommt jetzt tatsächlich über den Kanal oder den Kanal rein. Also klar, ich frage immer, da fällt eh oft der Podcast und ich sehe sonst eben auch bei meinen Blogartikeln, dass Leute drunter kommen, also kommentieren.

Von daher hat man da so ein paar Anknüpfungspunkte. Und bei Social Media ist es ja nicht so, dass Follower*innen gleich Umsatz sind, ja.

Genau, von daher, es gibt ja auch das Phänomen, dass Menschen super viele Follower*innen haben und dann aber trotzdem keinen Umsatz daraus generieren. Von daher ist es halt schwer, das faktisch wirklich gegenüberzustellen. Ich habe schon von anderen Selbstständigen gehört, dass sie auf Social Media gegangen sind und sich dadurch dann ihre Umsätze verbessert haben.

Aber es ist ja auch de facto so, dass alle Kanäle, also überall sinkt ja die Reichweite. Das ist ja egal, welchen Marketingkanal man nutzt.

Und Launches werden schlechter, also hört man so. Ich habe jetzt auch nicht die Statistiken dazu. Ja, Verkaufszahlen gehen grundsätzlich ein bisschen zurück. Ich denke, wir haben einfach sehr viele Aspekte, viele Krisen, die da mit reinspielen. Und da jetzt wirklich zu sagen, ich habe deswegen irgendwie weniger Umsatz gemacht oder weniger Kund*innen gewonnen, kann ich nicht sagen.

Bei mir ist es eh so, dass sich auch jetzt meine Art zu arbeiten, meine Angebotswelt total verändert hat und dann ist es super schwer, das abzugleichen. Von daher, ich sehe, nein, ich sehe keine Nachteile.

Customer Journey ohne Social Media

[Alex] Und wie funktioniert so eine typische Customer Journey von den Menschen, mit denen du zusammenarbeitest? Das würde ich noch spannend finden. Also du hast gesagt, die kommen über einen Blog, über einen Podcast. Was passiert dann? Wie arbeiten sie mit dir dann zusammen letzten Endes?

[Maike] Also ich habe jetzt im Endeffekt zwei Standbeine. Ich habe einen Onlinekurs, den habe ich schon viele Jahre und dann habe ich eben auch Dienstleistungen. Die können entweder so aussehen, das sind dann eher Firmen, die auf mich zukommen, dass ich Dienstleistungen mache, also dass ich selber umsetze oder eben auch, dass ich dann zum Beispiel eine Keyword-Recherche mache oder Website-Texte schreibe oder auch Mentorings, wo ich Menschen eins zu eins begleite und sie setzen selber um und haben dann eben nachher auch das Wissen nach hinten raus.

Und von der Customer Journey ist es so, also ich starte einfach mal bei der Website. Wir haben ja schon gesagt, die kommen entweder über einen Podcast oder über den Blog oder über Empfehlungen auch.

Und dann landen die auf meiner Seite und können dort sich das Angebot anschauen und einen Fragebogen ausfüllen. Und über den Fragebogen kann man eben schon mal so ein bisschen abgleichen. Also passt das grundsätzlich?

Bei mir ist es auch wichtig, dass meine Kunden und Kundinnen schon ein Problem lösen, weil das einfach die Basis für eine Suche, für eine Suchanfrage bei Google und ihre Zielgruppe auch ein Stück weit kennen.

Das gleiche ich dann ab und dann lade ich die zum Erstgespräch ein und das ist dann einfach ein Kennenlerngespräch.

Also ich habe jetzt kein so ein Skript irgendwie mit, ich muss jetzt hier verkaufen, sondern es geht einfach darum, sich kennenzulernen, ein Gefühl füreinander zu kriegen. Die können mir Fragen stellen, die sie zu meinem Angebot haben. Ich mache dann so einen kleinen Vorschlag, was ich denke, was passen könnte, und dann gibt es ein Angebot.

Lohnt sich SEO, wenn es KI gibt?

[Alex] Jetzt haben wir noch gar nicht so drüber geredet, vielleicht am Rande erwähnt, du bist ja SEO-Beraterin und das ist natürlich eine sehr spannende Zeit, um SEO-Beraterin zu sein. Und deswegen ganz zu Beginn eine ganz provokative Frage, lohnt sich das überhaupt noch mit der Suchmaschinenoptimierung?

[Maike] Ja, es ist eine sehr spannende Frage.

[Alex] Die du wahrscheinlich nicht so oft gestellt bekommst.

[Maike] Geht so.

[Alex] Geht so.

[Maike] Also, ich habe das tatsächlich auch, wie jetzt ja der AI-Mode von Google rauskam, also ein eigener Chat in Google, der so ähnlich wie ChatGPT eben Fragen beantwortet, aber in Deutschland auch noch verlinkt zu Websites.

Und da ist jetzt das große, große Thema gerade, dass halt die Klickraten zurückgehen. Nicht bei jedem, nicht in jedem Themenfeld. In den USA, glaube ich, auch nochmal stärker als jetzt bei uns so im deutschsprachigen Raum.

Aber es ist eine Realität, mit der wir uns auseinandersetzen müssen, dass wir weniger Klicks auf unsere Websites erhalten und damit eben die Besuche auf Websites auch zurückgehen.

Und klar, davon könnte man jetzt ableiten, SEO lohnt sich nicht mehr. Ich verstehe auch diesen Rückschluss erstmal, weil der Klick ja auch als Marketingzahl in der SEO-Branche die letzten Jahre viel vermarktet wurde.

Also wir haben auch einfach viel über Klicks gesprochen, ich auch, aber was wir auch immer besprochen haben oder viele besprochen haben, ist, dass der Klick ja nicht das Endziel ist, sondern die Frage, was nach dem Klick passiert.

Und deswegen muss man halt diese Werbung „Klick“ vielleicht ein bisschen neu denken und da ist vielleicht interessant zu wissen, wenn man jetzt zum Beispiel … In der klassischen Suchmaschinenoptimierung hat man vielleicht einen Blogartikel geschrieben über Zeitmanagement und dann kam da der CEO, Firmenchef oder die Selbstständige oder die alleinerziehende Mutter auf die Website, also eine sehr, sehr breite Masse an Personas, sage ich mal.

Und heute ist es halt so, dass Menschen in diesem KI-System viel spezifischer suchen, also mit ihrer eigenen Ausgangssituation, bin alleinerziehend, drei Kinder, wie manage ich meine Zeit, damit ich auch noch x Stunden Schlaf bekomme beispielsweise.

Also jetzt einfach mal irgendein Beispiel und das heißt, dass wir unsere Inhalte spezifischer auf diese Bedürfnisse unserer Zielgruppe ausrichten müssen. Das heißt, die Zielgruppe, die ja schon immer ein Fundament in der Suchmaschinenoptimierung war, wird jetzt halt nochmal wichtiger, nochmal unverzeihlicher, sage ich mal, wenn man nicht für die Zielgruppe schreibt und sich nicht mit der Zielgruppe auseinandersetzt.

Und ein anderer Rückschluss, den ich ziehe, ist halt, wenn ich jetzt weniger Klicks auf meine Seite bekomme, Und dann muss ich halt gucken, dass die Klicks, die kommen, dass ich die Menschen wirklich abhole mit meinen Startseitentexten, mit meinen Angebotstexten, mit meiner Über-mich-Seite.

Also, dass einfach so diese Basics unserer Website stimmen, dass die nochmal mehr in den Fokus rücken. Und das wird oft so als Anfänger-Content eingeordnet, aber ist es überhaupt nicht. Also das haben einfach die Leute, die, sage ich mal, über ihre Website Kunden und Kundinnen gewinnen, die haben das klar und die hinterfragen das auch immer wieder. Also das ist auch kein Prozess, der einmal gemacht und dann für immer abgeschlossen ist, sondern vielleicht änderst du dich in einem Jahr.

Vielleicht ändern sich deine Werte, vielleicht merkst du, ich habe doch noch nicht die passenden Menschen irgendwie angezogen bisher oder das hat sich bei mir verändert, weil ich jetzt in eine andere Richtung gehen möchte.

Und dann kann man das immer wieder nachjustieren. Das ist wirklich eine wichtige Arbeit, aber da merke ich, dass das wirklich oft als Anfänger SEO-Content abgestempelt wird und das sehe ich überhaupt nicht so.

Und wenn man jetzt mal so rumklickt, Websites, wir sind ja auch irgendwie jeden Tag im Internet unterwegs, da sehe ich schon noch sehr, sehr viel Potenzial bei diesen Basics. Also ich würde sagen, wirklich ein hoher Prozentsatz der Websites kann da nochmal ran und das nochmal anpacken und viel persönlicher und viel mehr auf die Zielgruppe ausgerichtet schreiben, ja.

[Alex] Das finde ich auch ein super Tipp, weil, also ich glaube, also ich überarbeite meine Website, glaube ich, alle paar Monate oder alle paar Wochen. Also nicht so grundlegend überarbeiten, aber immer mal an der Seite rumschrauben oder so, weil man kriegt ein neues Angebot oder hat ein neues Buch oder keine Ahnung, kann man eigentlich schon die Führung auf der Website so ein bisschen anders gestalten und kann schon ein bisschen was optimieren. Das kann ich auch nur bestätigen, also da immer mal zu gucken.

Aber verstehe ich dich quasi richtig, dass du sagst, dass KI im Grunde jetzt ein guter Anlass ist, noch bessere Texte zu schreiben, noch bessere Blogartikel zu schreiben, sich noch mehr Gedanken darüber zu machen, wen will ich eigentlich erreichen und welches Problem will ich lösen?

[Maike] Auf jeden Fall, ja. Also auch wenn man in KI-Systemen gefunden werden möchte, was noch ein mini, mini, mini, mini Prozentsatz ist von dem Traffic, der auf Websites kommt, Aber selbst da sind ja die Anfragen auch super spezifisch und das geht eben auch Hand in Hand mit den KI-Systemen in Google.

Vielleicht nicht mit der klassischen Suche, die ja auch noch eine Rolle spielt, aber wobei selbst da, ja, da war es ja auch schon immer ein Stück weit so, dass man, ja, je spezifischer, desto eher spricht man dann auch die Wunschkunden und Kundinnen an und deswegen, ja, komme ich jetzt immer wieder back to the basics.

Keyword-Recherche und Content-Strategie

[Alex] Und würdest du dann quasi raten, immer noch gleich vorzugehen, also mit Keyword-Recherche zu starten und das ganze Prozedere normal ablaufen zu lassen, nur halt sich noch mehr Mühe, noch mehr Gedanken vielleicht vorab zu machen?

Oder wie sähe das für dich aus, dieser Prozess?

[Maike] Also die Keyword-Recherche ist immer noch die Basis und da ja auch noch ein Großteil des Traffics über klassische Suchanfragen und einfach auf, ja, auf die Klicks auf die Links, die bei Google platziert sind, gehen.

Das reduziert sich zwar, aber es ist halt immer noch in der Gesamtheit der größere Anteil. Viel weniger als jetzt über den AI-Mode oder über ChatGPT. Das ist ein winziger Prozentsatz.

Von daher sind diese SEO-Grundsätze, die haben sich jetzt nicht verändert. Wir haben jetzt natürlich noch nicht so super viel Erfahrung, weil das ja alles auch neu ist in der SEO-Szene.

Von daher glaube ich, dass es so sein wird, dass die Keyword-Recherche eine Ausgangsbasis ist, um zu gucken, was ist denn grundsätzlich die Nachfrage, was ist grundsätzlich das Wording und dann auch in den Longtail-Bereich zu gehen, Longtail-Keywords, also spezifischere Anfragen.

Ein Longtail-Keyword ist nicht immer ein langes Keyword, sondern es ist vor allem ein spezifisches Keyword. Und die findet man vielleicht jetzt auf, also man hat jetzt nicht unbedingt die Daten in diesen Tools zu den ganz spezifischen Suchanfragen. Die werden dann mit Suchvolumen null oder mit ganz wenig Suchvolumen ausgegeben. Von daher muss da eben eigenes Gedankengut reinkommen oder vielleicht gibt es in der Zukunft auch Tools, die das besser können.

Es gibt schon Tools wie Answer the Public, wo man so Fragen, so W-Fragen generieren kann. Die basieren auch auf Daten, also auf Anfragen, die bei Google passieren, aber es gibt halt keine Daten dazu, die ich mir jetzt in eine Tabelle reinschreiben kann. Aber das ist trotzdem ein guter Weg, um Longtail-Keywords jetzt im Moment zu finden und eben auch die Auseinandersetzung.

Ich würde da immer so eine Mischung machen aus Tools und das, was ich selber von der Zielgruppe weiß und ableiten kann. Das wäre jetzt mein Way to go im Moment, aber man muss natürlich da dranbleiben und gucken, wie sich das weiterentwickelt.

[Alex] Und nutzt du auch KI für Suchmaschinenoptimierung, also als Tool, um das irgendwie leichter zu machen?

[Maike] Nicht so viel. Also klar, ein Großteil von Suchmaschinenoptimierung ist ja die Erstellung von Texten. In dem Fall ja. Aber jetzt zum Beispiel für eine Keyword-Recherche könnte man KI noch als Brainstorming-Tool verwenden.

Wenn ich ChatGPT jetzt frage, erstell mir eine Keyword-Recherche und gib mir Suchvolumen und weitere wichtige Daten, dann kriegst du das vom ChatGPT, aber es ist halt erfunden.

Also da muss man wirklich vorsichtig sein. Und beim Brainstorming ist es so, ja, also kann man machen. Ich persönlich mache es nicht. Ich habe einfach eh so viele Ideen und ich weiß so viele Fragen von meiner Zielgruppe, deswegen würde mich das eher überfordern, weil ich es dann nachher wieder aussortieren muss und ich muss es ja alles abgleichen, auch mit dann einem Keyword-Tool, wie zum Beispiel, jetzt fragen sich wahrscheinlich viele, was für ein Keyword-Tool, der Keyword-Finder von Mangools oder Ubersuggest, das sind so zwei gute mittelpreisige Tools.

Und da muss ich das alles ja wieder eingeben und gucken und dann wieder aussortieren und das kann auch irgendwie die Arbeit eher verlängern, sage ich mal, je nachdem, was man braucht.

Menschliche Texte vs. KI

[Alex] Okay, also trotz KI immer noch bei Menschen starten, bei den Menschen, mit denen man zusammenarbeiten will und lieber die fragen.

[Maike] Ja, bitte. Ich glaube auch, also ehrlich gesagt, ich merke das auch so in meiner, also in der Nachfrage nach Angeboten, merke ich, dass die Menschen sich mehr und mehr jetzt auch nach diesem Persönlichen wieder sehnen.

Die wollen Verbindungen und diese KI-generierten Texte, die wie Pilze aus dem Boden schießen … Das ist ja auch eine totale Trennung oder eine Distanzierung, eine Entfernung voneinander und gerade jetzt, wenn wir halt menschliche Texte schreiben, dann stechen wir hervor, also dann sind wir besonders und von daher ist auch wieder back to the basics.

[Alex] Und es geht ja auch, finde ich, nicht immer nur um das Endprodukt, also dass ich dann so einen Text habe, sondern es geht ja auch um den Prozess, also dass ich vielleicht ja auch was lerne über meine Zielgruppe, dass ich vielleicht besser verstehe, was haben die für ein Problem, kann ich es mit meinem Angebot lösen, muss ich das anders kommunizieren.

Also ich finde, da hat SEO ja auch Vorteile, wenn man das betreibt gegenüber KI, oder?

[Maike] Ja, auf jeden Fall. Und da sagst du was super Wichtiges. Also ich spreche immer vom Senden und Empfangen, weil jetzt oft auch in so KI-Weiterbildungen oder in so KI-Gruppen, da liest man, hey, ich habe jetzt innerhalb von zwei Tagen meine Website mit KI designt und geschrieben. Und dann wird das als Erfolg gewertet.

Aber wenn ich als Nutzerin da draufgehe, ich bin halt in einem Bruchteil von einer Sekunde wieder weg, weil es mich null anspricht, ich es nicht verstehe. Und ich selber als Maike, ich bleibe dann da halt ein bisschen länger drauf, um zu gucken, was passiert da eigentlich, weil es ja mein Job ist und ich mich mit diesen Themen beschäftige.

Aber als Nutzerin, Maike, bin ich sofort wieder weg. Und deswegen müssen wir uns das Konzept von, von Senden und Empfangen klar machen. Also nur, weil ich gesendet habe, habe ich nicht irgendwas fertig oder abgehakt. Oder ja, ich habe es fertig, aber mit welchem Ziel? Da müssen wir echt jetzt so ein bisschen aufpassen, weil das ist wirklich eine Falle.

[Alex] Also das ist auch meine Beobachtung, dass alle das immer möglichst leicht und schnell und effizient haben wollen. Aber ganz ehrlich, für gute Texte, da gehört auch ein bisschen Schmerz dazu. Also ein bisschen übertrieben, überspitzt, aber es ist halt auch nicht immer angenehm. Es ist auch vielleicht anstrengend und keine Ahnung, ich muss vielleicht noch ein paar Nächte drüber schlafen und ich muss es mir durchdenken und ich habe es vielleicht im ersten Augenblick nicht verstanden.

Aber man merkt das hinterher, dass diese Texte ja auch viel eher Menschen erreichen und Menschen verstehen und vielleicht auch empathischer sind Menschen gegenüber. Und insofern kann ich auch nur dazu ermuntern, nicht immer den leichten und einfachen Weg zu gehen, gerade bei Texten.

[Maike] Da bin ich dabei.

Ratschläge für Selbstständige ohne Social Media

[Alex] Gut, dann noch die letzte Frage. Was rätst du denn Selbstständigen als jemand, die schon seit zwei Jahren ohne Social Media auskommt? Was rätst du diesen Selbstständigen, wenn sie Social Media verlassen oder reduzieren wollen, aber eben Angst haben davor, weniger sichtbar zu sein? Was können die tun?

[Maike] Also ich finde es superschwer für andere zu sprechen. Ich finde es auch immer nicht erstrebenswert, irgendeinen Weg zu gehen, den jemand anders gegangen ist. Ich finde, man muss immer seinen eigenen Weg finden. Vielleicht ist das auch der Ratschlag.

[Alex] Wie findet man denn diesen eigenen Weg?

[Maike] Vielleicht kann man es einfach mal ausprobieren. Ich habe ja mit dieser einen Woche angefangen, dass ich eine Woche weg war, und aus der wurde er jetzt halt für immer.

Also inzwischen habe ich sogar meinen Instagram-Account, also vor kurzem habe ich ihn gelöscht. Ich hatte den jetzt immer noch so als Backup und jetzt habe ich den gelöscht. Das dauert dann, glaube ich, so 30 Tage oder so, bis der dann wirklich ganz weg ist. Ja, von daher habe ich das einfach so schrittweise gemacht.

Und dann kann man ja immer mal wieder gucken, wie fühlt sich das jetzt gerade an? Und was ist mein Bauchgefühl? Aber ist mein Bauchgefühl gerade eine gute Beratung oder ist es Angst oder ist es wirklich berechtigt, dass ich merke, okay, ich habe jetzt irgendwie weniger Anfragen und das kann ich mir aber gerade nicht leisten, weil es ist ja vielleicht auch, ich wurde gestern in einem Interview gefragt, ist es auch ein Luxus bei dir gewesen, dass du von Instagram weg konntest? Und ich habe es erst mal mit Ja beantwortet. Später habe ich dann das Ja nochmal ein bisschen hinterfragt. Also das muss man vielleicht für sich selber rausfinden. Und insofern, ja, wenn du sagst, okay, konkreter Tipp, dann ich würde es ausprobieren.

[Alex] Schritt für Schritt gehen, ganz langsam. Ja, super, Maike, vielen Dank, dass du hier warst. Hat mich sehr gefreut.

[Maike] Danke auch.

Shownotes

Maikes Website

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Social Media und ethisches Marketing – wie passt das zusammen? Teil 5: Verantwortung