Social-Media-frei
Der Podcast für Marketing ohne Likes, Reels & Selfies
Worum geht’s?
In diesem Podcast nehme ich soziale Medien kritisch unter die Lupe und spreche darüber, wie Selbstständige online sichtbar werden können, ohne ständig ihr Frühstück auf Insta zu posten.
Es geht um „immergrüne“ Marketingstrategien und darum, wie Selbstständige entspannt und nachhaltig ihre Produkte oder Dienstleistungen verkaufen.
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Wie funktioniert eine App als Social-Media-freie Strategie, Karin Graf-Kaplaner?
In dieser Podcastfolge habe ich Karin Graf-Kaplaner zu Gast. Karin ist Business-Mentorin und Gründerin der Jubeltage-App.. In der Folge sprechen wir darüber, wie aus einer persönlichen Erfahrung eine App entstanden ist, welche Herausforderungen die App-Entwicklung mit sich bringt, warum ethisches Design für sie so wichtig ist und warum sie eine Pause von Instagram eingelegt hat.
In dieser Podcastfolge habe ich Karin Graf-Kaplaner zu Gast. Karin ist Business-Mentorin und Gründerin der Jubeltage-App, einer App, die täglich Impulskarten sowie Audios liefert, um mentale Gesundheit zu stärken.
In der Folge sprechen wir darüber, wie aus einer persönlichen Erfahrung eine App entstanden ist, welche Herausforderungen die App-Entwicklung mit sich bringt, warum ethisches Design für sie so wichtig ist und wie sie Social-Media-Pausen genutzt hat, um ihr Business bewusst zu gestalten.
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[Alex] Ich freue mich sehr, dass du heute hier bist, denn wir wollen heute über ein Thema sprechen, über das ich tatsächlich noch nie gesprochen habe in meinem Podcast oder auch generell beim Thema Social-Media-freies Marketing, nämlich über deine App. Bevor wir einsteigen, erzähl doch vielleicht mal, welche App ist das? Also welche App hast du entwickelt und worum geht es da genau?
Einführung in die Jubeltage-App
[Karin] Ja, danke, liebe Alex. Ich freue mich auch sehr, dass ich heute da bin.
Und ich freue mich auch besonders, dass du über die App sprechen möchtest, weil ja, das ist doch irgendwie ein bisschen ein Nischenthema.
Meine App heißt Jubeltage-App und ich habe sie entwickelt aus einer sehr persönlichen Geschichte raus.
Ich hatte 2012 ein Burnout und ja, da ist es mir wirklich sehr, sehr schlecht gegangen. Und ich habe mir da an jeden Strohhalm geklammert.
Und das Spannende war, dass es mich tatsächlich überrascht hat, dass mir so kleine Affirmationskarten in dieser Zeit sehr geholfen haben. Das heißt, ich habe mir dann unterschiedliche Kartensets besorgt und habe mir dann eine Karte gezogen und die hat mir dann irgendwie so durch diese schwere Zeit, durch diesen Tag getragen.
Und als ich dann über Umwege zu dieser App gefunden habe, vielleicht werden wir darüber noch sprechen, habe ich mir überlegt, das wäre doch richtig toll, wenn es eine App gäbe, wo ich jeden Tag eine Affirmationskarte bekomme, also eine Impulskarte bekomme.
Da steht jetzt nicht drauf zum Beispiel „Ich bin stark“ oder … Es sind keine klassischen Affirmationskarten, sondern eher Impulse und aber dann eben auch ein Audio dazu von einer Stimme, die mich bestärkt, die mir das Gefühl gibt, dass es wichtig ist, auf mich selbst zu achten.
Und das war sozusagen der Ausgangspunkt. Und jetzt gibt es die Jubeltage-App mit, ja, ich glaube 600 Karten sind da mittlerweile drin, 600 Infokarten. Und insgesamt sind es auch über 700 Audios, die alle von mir selbst eingesprochen wurden. Also aus einer kleinen Idee, wir kennen das alle, ist ein Mammutding geworden. Genau.
Der Weg zur App-Idee
[Alex] Ja, also da sprechen wir auf jeden Fall gleich nochmal drüber, wie das so lief von der Idee bis zur Umsetzung.
Aber was ich mich gerade frage, aber wie bist du dann auf diese Idee mit der App gekommen? Also du hast gemerkt, so Impulse, Affirmationen bestärken dich, helfen dir. Warum hast du dann zum Beispiel kein Buch geschrieben oder keinen Kurs gemacht oder was auch immer? Also warum muss das die App sein?
[Karin] Ja, da gibt es eben eine sehr, sehr, wie soll ich sagen, ja, unromantische Geschichte. Ich hatte einen großen Blog, Jubeltage, und zu diesem Blog auch ein Printmagazin, das hat sich Jubel Moments Magazin genannt, und das habe ich mit einer Kollegin gemeinsam gemacht.
Und wir wollten ursprünglich eine App machen, damit man dieses Magazin, das hat man ja früher, also das ist jetzt schon einige Jahre her, früher war das ganz toll und wichtig, dass wenn du ein Magazin hattest, dass du das auch irgendwie über eine App gut lesen konntest und durchblättern konntest und so weiter.
Und die Ursprungsidee 2019 war, wir machen für dieses Magazin eine App. Dann hat meine Kollegin aber beschlossen, dass sie das eigentlich nicht mehr weiterverfolgen will. Die ist dann auch schwanger geworden, hat ein zweites Kind bekommen und hat dann wirklich die Lust an dem ganzen Thema Magazin und so weiter verloren. Und ich bin dann dagestanden mit einem Auftrag an eine App-Agentur.
Also ein unterschriebener Auftrag, wo ich einfach wusste, okay, ich kann da nicht mehr zurücktreten, ich muss jetzt eine App machen. Und das war eigentlich der, deshalb sage ich unromantisch, der unromantische Weg, wie ich zur App gekommen bin.
Und ich muss schon dazu sagen, ich war ja in meinem früheren Beruf, bevor ich mich selbstständig gemacht habe, aber auch am Anfang meiner Selbstständigkeit, IT-Projektleiterin.
Das heißt, dieses ganze Thema, ich habe eine eigene App und ich möchte eine App machen, das kam auch im Rahmen des Magazins ganz stark von mir. Das heißt, ich bin jetzt nicht in großes Drama verfallen, Als ich dann wusste, für das Magazin wird es keine App geben, ich mache eine andere.
Aber das liegt sicherlich auch daran, dass ich mich auch daraus gesehen habe. Ich habe mir gedacht, ja, dann mache ich halt eine andere App. Und so bin ich dann eigentlich auf das gekommen, dass es dann die App wurde.
Herausforderungen im App-Entwicklungsprozess
[Karin] Tatsächlich ist die Frage aber eine ganz wichtige, die du stellst, warum eine App und nicht ein Buch oder eine andere Variante.
Denn 2024 war es dann so, dass die App total auf der Kippe stand, weil Apple App Store und Google Play Store bestimmte Voraussetzungen festgelegt hatten, die meine App nicht erfüllt hat. Und ich habe dann 2024 zwei Varianten gehabt, eben zu entscheiden, wird die aus den App-Stores gekickt und ich lasse sie sterben oder lasse ich sie nochmal vollkommen neu programmieren.
Und in diesem Prozess habe ich mir schon sehr gut überlegt, ob es nicht für diese Affirmationskarten, Impulskarten und die Audios nicht irgendeine andere Möglichkeit gäbe, um das gut konsumierbar zu machen und zu distribuieren, weil so eine App schon ein wirkliches Spezialthema ist. Und man sich das gut überlegen soll, ob man das macht.
[Alex] Aber dann hast du dich trotzdem nochmal für die App entschieden.
[Karin] Dann habe ich mich nochmal, das war wirklich wie eine Prüfung, ich habe mich dann nochmal sehr gut informiert, was gibt es für andere Lösungen.
Aber die Variante, ich bin ja ohnehin irgendwann am Tag an meinem Handy, Smartphone, und ich bekomme dort jeden Tag diese Impulskarte geliefert und das Audio dazu. Das hätte man wahrscheinlich auch mit einem E-Mail machen können, aber wer will 365 E-Mails geschickt bekommen und so weiter. Also das hat man mir sehr gut überlegt und dann letzten Endes ist die Entscheidung wieder auf die App gefallen. Genau.
Schritte zur App-Entwicklung
[Alex] Und nimm uns doch mal mit. Also du hast dann gesagt, du hattest aus so einer persönlichen Situation gemerkt, dass dir Affirmationen oder generell Impulse helfen, dass die mentale Gesundheit stärken.
Wie bist du dann vorgegangen? Also da war diese Idee, oh, das ist ja irgendwie toll, könnte das vielleicht eine App sein? Was sind dann die nächsten Schritte, die man so ergreift, wenn man die Idee hat, eine App zu machen?
[Karin] Also, wenn man eine Idee hat, und das ist, glaube ich, das Wichtigste, eine App zu machen, ist ganz essentiell, eben dir zu überlegen, muss es wirklich die App sein?
Das heißt, wichtig ist, dass diese App irgendeine Funktion bereitstellt, die du zum Beispiel nicht über eine gut mobil optimierte Website auch bereitstellen könntest.
Das heißt, die App muss vielleicht irgendwas berechnen oder sie muss dich irgendwo durchführen, was vielleicht über Smartphone gut möglich ist. Oder sie muss Sachen in einer anderen Art und Weise zur Verfügung stellen, wie es eine Website nicht könnte. Also ich war schon immer wieder einmal mit, auch in meinen Business Mentorings mit Frauen konfrontiert, die gesagt haben, ich hätte so wahnsinnig gerne eine App.
Und natürlich hätten wir alle gerne eine App, aber man muss sich gut überlegen: Ist es wirklich nur über die App möglich oder gibt es zum Beispiel diese Variante mit der mobil optimierten Website?
Weil wenn das der Fall ist, dann würde ich absolut von einer App abraten, weil eben an einer App, also eine App ist grundsätzlich etwas, was total unflexibel ist. Also das muss man sich vielleicht auch, weil du gesagt hast, wie waren dann die Schritte?
Ich musste dann relativ schnell lernen, dass sie, wenn ich den Programmierer*innen etwas sage und das dann so umgesetzt wird und das in den App-Stores eingereicht wird, dass das dann auch für mehrere Monate, wenn nicht sogar Jahre, so bleiben muss, weil dieses Ding grundsätzlich extrem unflexibel ist.
Das war so das erste Learning für mich. Okay, ich muss mich da wirklich festlegen. Und das ist jetzt nicht so wie auf meiner Website, wo ich sage, ah, da würde ich gerne was umbauen oder umschreiben, dann mache ich das halt. Das geht in einer App nicht. Und das ist natürlich auch immer mit immensen Kosten verbunden, weil wir das nicht selbst machen können. Das ist das Nächste.
[Alex] Genau, da würde ich vielleicht nochmal einen Schritt zurückgehen, weil du hast jetzt schon ein bisschen für Fortgeschrittene gesprochen, weil ich habe keine Ahnung, was man machen muss. Das heißt, du machst das alles nicht selbst. Es muss auf jeden Fall so eine Agentur machen oder Programmiermenschen machen, die Technik dahinter, das muss man auslagern.
[Karin] Genau. Man muss dazu sagen, als ich die Jubeltage-App gegründet habe, gestartet habe, das ist fünf Jahre her.
In den letzten fünf Jahren hat sich wahnsinnig viel getan diesbezüglich. Das heißt, ich bin wirklich diesen unter Anführungszeichen klassischen Weg gegangen, weil ich das natürlich auch konnte aus meiner früheren Berufserfahrung.
Ich habe klassisch ein Lastenheft geschrieben. Das heißt, ich habe ein Lastenheft geschrieben, wo ich alles festgelegt habe. Was soll sie können? Wie soll sie ausschauen? Was sind die Funktionen? Und so weiter.
Und ich hatte ja diesen Vertrag mit den Programmiererinnen und die haben es dann umgesetzt.
Es gibt aber auch, ich glaube, Ablefy zum Beispiel hat das, ich weiß auch, dass Mentor-Tools das hat, im Rahmen von diesen Plattformen, die es gibt, um Kurse anzubieten. Die haben mittlerweile, das gab es damals noch nicht, auch die Möglichkeit zu sagen, du kannst von uns eine App haben. Also das wäre jetzt eine andere Variante. Nur da ist es halt für mich wieder die Frage, macht das Sinn, weil da werden halt die Kursinhalte auf einer App dann dargestellt. Aber das ist nicht das, was ich jetzt zuvor gesagt habe, eine neue Funktionalität.
Das Design der App
[Alex] Ja, weil das Besondere an deiner App, ich habe es mir auch mal probeweise downgeloadet, ist ja, dass man dann auch jeden Tag so eine Karte halt bekommt. Also nicht nur, wenn man die App öffnet, sondern halt auch so, richtig?
[Karin] Genau.
[Alex] Das bedeutet, das ist quasi diese neue Funktion, die deine App hat und wo es dann sinnvoll ist, dass es auch eine App ist.
[Karin] Genau, genau.
Ja, und es ist tatsächlich so, dass viele Nutzerinnen der App, für die ist das sowas wie ein Ritual geworden. Die machen einfach jeden Tag am Morgen statt Instagram oder sonst irgendwas.
Die App ist ja auch ohne Hintergrundrauschen. Die App auf und schauen mal, okay, was ist heute für eine Karte drinnen. Und dann journalen sie dazu oder sie machen dann auch eine Meditation oder sie hören sich das Audio an und überlegen sich, okay, was möchte ich mir davon mit in den Tag nehmen. Genau.
[Alex] Und das Design der App, hast du das entwickelt oder hattest du da auch Unterstützung?
[Karin] Das Design habe ich gemeinsam mit meiner Grafikerin, die ich sozusagen immer für alles einsetze, meine langjährige Grafikerin, gemacht.
Und da war es mir auch sehr wichtig, dass das auf keinen Fall in irgendeiner Art und Weise technisch wirkt.
Weil selbst die meisten Achtsamkeits-Apps sind sehr technisch, was das Design betrifft. Und da wollte ich einfach auch einen Gegenpart machen und dass das alles sehr reduziert ist, aber es sind zum Beispiel die ganzen Icons dort und so weiter, alles handgezeichnet, handillustriert von der Grafikerin und das macht halt den Unterschied aus. Genau.
Ethik im App-Design
[Alex] Was mir auch aufgefallen ist, ist, dass es auch so eine Art ethischeres Design gibt. Also was ich zum Beispiel gelesen habe, ist, dass es eine Testphase gibt, aber die verlängert sich nicht automatisch. Das bedeutet, wenn ich dann das kostenpflichtige Abo haben will, muss ich schon aktiv da reingehen.
Das bedeutet, da ist keine Kostenfalle, ich kann das ganz problemlos testen. Und ich habe auch gesehen, dass es nicht so diese Deceptive Designs dort gibt. Also aus Versehen lande ich irgendwo oder so. Kannst du uns da vielleicht nochmal mitnehmen? Also war dir das schon so wichtig? War das bewusst so gedacht, dass das ein bisschen ethischer sein soll als bei vielen Apps üblich?
[Karin] Ja, genau. Das hat natürlich unfassbare Nachteile für mich, muss ich ganz ehrlich sagen, die ich auch ganz bewusst in Kauf nehme, weil es gibt wirklich keine App, also ich kenne keine, bei der du, wenn du eine Testphase startest, nicht die automatische Verlängerung hast. Also das ist, dass dann die Testphase einfach endet und du musst bewusst, so wie du sagst, nochmal den Schritt machen und auf, ja, ich will jetzt weiterbleiben, ich möchte sozusagen ein Abo haben, das gibt es nicht.
Ja, also das ist, natürlich gibt es das nicht, weil es natürlich viel, viel einfacher ist, jemand über die Testphase einzufangen und dann, ups, habe ich vergessen zu kündigen und dann hänge ich irgendwo drin. Nur das ist ja genau das, was ich bei der Jubeltage-App anders machen wollte. Dass das nicht passieren kann.
Das Spannende ist aber, und das ist schon sehr interessant, und das merke ich auch in Gesprächen mit Menschen, die auch dann zum Beispiel sich nicht für die App entscheiden, die Menschen sind sehr skeptisch, was Apps betrifft.
Also ich glaube, das ist auch etwas, was man, wenn man das jetzt zum Beispiel überlegt für sich, fürs Marketing oder um Inhalte bereitzustellen oder eine Funktionalität bereitzustellen, was man sich wirklich überlegen muss, eine App runterzuladen, ist schon einmal grundsätzlich eine sehr, sehr große Hürde für viele.
Und vor allem in unseren, ich sage jetzt bewusst unseren, in unseren Kreisen sozusagen, die sehr achtsam auch mit digitalen Medien und so weiter umgehen, die denken sich, na pff, jetzt brauche ich nicht noch eine App. Und du kannst aber eigentlich sehr schwer den Nutzen der App transportieren, wenn sie es nicht mal ausprobiert haben. Und da hast du einfach eine riesengroße Hürde, dass zumindest die App runtergeladen werden muss, bevor man überhaupt einmal sieht, was da drin ist.
Aber das war ganz eine bewusste Entscheidung, sehr, sehr viele Dinge bewusst anders zu machen als eben, also das war immer Diskussion mit den Umsetzerinnen, weil die zu mir gesagt haben, nein, das kann ich nicht machen, die Testphase muss automatisch weitergehen, weil du verlierst ja sonst so viele und ich habe dann gesagt, ja, aber das möchte ich nicht.
Ich möchte ja nicht, dass jemand dann die Jubeltage-App hat. Das ist mir ehrlich gesagt auch zu wertvoll. Mir ist das zu wertvoll, was da drinnen ist. Ich möchte nicht, dass das irgendwer dann hat und sich darüber ärgert, weil er es eigentlich nicht haben möchte, weil er vergessen hat zu kündigen oder sie.
[Alex] Und das passt ja auch eigentlich zu deiner Ausrichtung. Also wenn du Achtsamkeit als Wert hast, dann wäre das ja irgendwie sehr merkwürdig, wenn gerade die App so unachtsam wäre.
[Karin] Total, voll.
[Alex] Und wie lange hat das dann gedauert? Also jetzt hast du ein bisschen über den Prozess erzählt, aber von diesem Vertrag, den du gesagt hast, mit den Programmiermenschen bis zur fertigen App, wie lange dauert sowas?
[Karin] Ich glaube, dass ich kein guter Maßstab bin, weil ich natürlich als IT-Projektleiterin diesen Prozess aktiv mitgestaltet habe und auch sozusagen gepusht habe. Also vielleicht, das ist auch noch wichtig, wenn jetzt eine … Also wenn ich mir jetzt vorstelle, dass jemand eine App machen möchte und selbst absolut keine Ahnung davon hat, würde ich es nicht empfehlen, einfach Programmiererinnen anzuheuern und zu sagen, wir machen jetzt eine App, sondern meine Empfehlung wäre wirklich, sich dann noch jemanden dazuzunehmen als Unterstützung sozusagen.
[Karin] Weil natürlich gibt es immer wieder Diskussionen mit den Programmiererinnen, dann ist es auch oft so, das kennen glaube ich auch viele in puncto Websites, dass dann nicht die gleiche Sprache gesprochen wird, dass man aneinander vorbeiredet, dass man vielleicht bestimmte Fachausdrücke und so weiter gar nicht versteht.
Aber die Phase selbst hat dann eigentlich bei mir, ich glaube, das waren drei oder vier Monate, was das gedauert hat, bis die App dann da war.
Was natürlich ein Riesenthema war, dass ich mich natürlich auch mit der App dann verpflichtet habe, diese 365 Karten zu schreiben und die 365 Audios aufzunehmen. Und ja, das mit den Audios habe ich dann wirklich in so Zyklen gemacht. Also immer wieder zehn Audios und dann noch einmal zehn Audios. Bei 365 Audios, das ist schon ganz schön knackig.
[Alex] Das ist schon ne Menge.
[Karin] Ja, genau. Und da war auch zum Beispiel 2024 das Thema, wenn du früher die Ethik angesprochen hast, dass mir, das war dann eine andere App-Agentur, dass die mir dann gesagt haben, ja, sie werden ja nicht diese Audios jetzt alle aufsprechen. Sie können ja die Karten reinladen in eine KI. Die schreibt dann Texte zu den Impulsen, weil die Impulse waren ja da. Die waren auch in einer Excel-Liste vorhanden. Und dann trainieren sie einfach eine KI und die soll dann die Audios aufsprechen und die laden sie dann hoch.
Also es war immer wieder so ein Thema, okay, spreche ich jetzt 365 Audios auf oder lasse ich die von KI in wenigen Stunden sprechen?
Wahrscheinlich jemand, der mich nicht kennt, hätte den Unterschied niemals gemerkt. Aber das ist halt auch was, wo ich mich dann dagegen entschieden habe und gesagt habe, nein, ich möchte, dass das von Mensch zu Mensch gesprochen wird. Und habe mich hingesetzt vor mein Mikrofon und das gemacht. Ja, genau.
Die App als Marketing-Tool
[Alex] Krass. Du bist ja nicht nur App-Entwicklerin, sondern du bist ja auch Coachin, also Business-Coachin. Und was ich da jetzt spannend fände, ist, bringt dir die App auch was für dein Business als Marketing-Tool?
[Karin] Hmmm. Die App bringt mehr fürs Business, als ich es eigentlich gedacht hätte.
Spannenderweise, ich bin ja Slow-Business-Mentorin und das passt schon sehr gut zusammen. Als Slow-Business-Mentorin ist es so, dass ich ja einen großen Schwerpunkt auch auf die mentale Gesundheit lege.
Und ich habe ja in der App auch eine Business Edition gemacht. Die ist ja speziell eben für selbstständige Frauen. Die finden da auch andere Karten und andere Audios, weil die wirklich auch auf das ausgelegt sind, sie dabei zu unterstützen, jeden Tag dann zu erinnern, du darfst dir dein Tempo erlauben, du darfst ganz bewusst mit dir umgehen, du bist die wichtigste Ressource in deinem Unternehmen und so weiter.
Und das ist total spannend, das hätte ich nicht gedacht, dass einige Frauen dann die App empfohlen bekommen und sagen, also dass jemand sagt, schau dir die App an, und dann über die App eigentlich zu mir ins Business Mentoring kommen. Das hätte ich gar nicht so am Schirm gehabt, ehrlich gesagt.
[Alex] Aber klar, du bist dann quasi Teil ihres Alltags mit der App. Du erscheinst jeden morgen auf dem Handy.
[Karin] Genau, jeden Tag, genau.
[Alex] Auf deiner Website habe ich, ich weiß gar nicht, sinngemäß irgendwo stehen gesehen: „Ich beherrsche das Instagram-Spiel, ich will nur nicht mitspielen.“
Das finde ich einen sehr interessanten Satz. Du hast ja auch ein paar Monate Pause zum Beispiel eingelegt bei Instagram, obwohl du einen gut laufenden oder mehrere Accounts sogar hattest. Kannst du da mal erzählen, was war der Auslöser dafür?
Ausstieg aus dem Instagram-Game
[Karin] Ja, der Auslöser war tatsächlich, dass ich viele Jahre in diesem Instagram-Game gefangen war. Also das war tatsächlich so, dass ich mich sehr über dieses ganze Thema Follower und ich hatte beim Jubeltage-Account irgendwann mal sogar 13.000 Follower. Also ich habe mich sehr über diese Follower auch definiert.
Mein Alltag wurde sehr durch Instagram bestimmt und ich habe einfach in den letzten Jahren, würde ich sagen, zwei, drei Jahren für mich mit so kleinen Ausstiegen aus Instagram gemerkt, wie anders mein Leben ist, wenn ich nicht auf Instagram bin.
Und natürlich war es für mich wichtig, dass ich vorher auch andere Kanäle habe, also ich habe auch den Slow Business Podcast, den ich jetzt seit zwei Jahren sehr, sehr intensiv, nämlich jede Woche bespiele und so weiter.
Und irgendwann habe ich einfach für mich bemerkt, Instagram passt für mich in meine Art und Weise, wie ich leben möchte, aber auch in meine Art und Weise, wie ich mein Business führen möchte, überhaupt nicht rein.
Und du sagst ja auch immer wieder, ja, wir bekommen immer wieder so Impulse, wir sollen das Ganze achtsamer machen oder wir sollen halt weniger machen, wir sollen uns weniger reinsteigern und nur unser Zeug dort abladen und dann wieder gehen und so weiter. Und ich habe einfach gemerkt, dass das für mich so nicht funktioniert, sondern dass ich nur dann wirklich weg bin, wenn ich weg bin.
[Alex] Und dann bist du weggegangen, so ganz weg für vier Monate, glaube ich. Wie war denn die erste Zeit ohne Instagram? Hast du Entzugserscheinungen gehabt oder sonst irgendwelche Gefühle, Gedanken, die da so hochkamen?
[Karin] Ja, definitiv. Also ich habe wirklich schlimme Entzugserscheinungen gehabt. Ich habe das total gespürt.
Was mich am meisten beschäftigt hat, war so, ich habe mich so gefühlt wie jemand, der jetzt nicht mehr part of the game ist.
Also da kann es eben die Menschen geben, die auf Instagram waren und dann die, also so wie mich, die nicht auf Instagram waren und da nicht mehr teilhaben zu können, das war ganz spannend.
Das war für mich eigentlich das Schlimmste. Also zu wissen, da wird jetzt gepostet und miteinander geschrieben und so weiter und ich bin nicht mehr Teil davon. Das war in der ersten Phase das Allerallerschlimmste, wo ich mich immer wieder damit beschäftigt habe und mir immer wieder gedacht habe, ja, und da kommen auch diese Stimmen, was wird mit meinem Business passieren? Und wenn ich da jetzt gar nicht mehr Teil des Ganzen bin und so weiter.
Und ja, und natürlich habe ich auch gemerkt, dass ich immer wieder zum Handy gegriffen habe, automatisch und Instagram öffnen wollte und so weiter. Was ich tatsächlich dann gemacht habe, war mir eine Ladelade, das ist ein geflügeltes Wort bei uns zu Hause, einzurichten. Das ist tatsächlich eine Lade in einem Schrank und da ist das Handyladekabel drin und dann wirklich das Handy dort reinzulegen und zuzumachen. Das hat mir dann geholfen, gerade in der ersten Zeit, das irgendwie zu überwinden. Und das Faszinierende war, dass das nach wenigen Wochen überhaupt keine Rolle mehr gespielt hat.
[Alex] Man verlernt es.
[Karin] Man verlernt es total. Und die Ängste waren dann immer, ich hab gemerkt, okay, noch immer genug Business-Mentorings, die Frauen kommen weiterhin zu mir, sie fragen an, es passiert nichts.
Und mit den Menschen, die mir wirklich wichtig waren, habe ich mich offline getroffen oder telefoniert.
Eine liebe Freundin von mir hat zum Beispiel gesagt, ja, jetzt müssen wir wieder einmal einen Telefontermin machen, weil früher habe ich von Instagram so ein bisschen was mitbekommen, was bei dir so los ist, jetzt bist du ja nicht mehr dort. Und wir haben dann so ein intensives und tiefgehendes Telefongespräch geführt, wie schon seit Jahren nicht mehr, weil sie halt immer so ein bisschen mitgeschaut hat bei mir.
Und dadurch, dass ich dann gesagt habe, Karin, du fehlst mir, weil ich sehe dich ja nicht mehr und ich kriege nichts mehr mit, haben wir dann aufs Telefon geswitcht. Und das war eigentlich ein wunderschönes Erlebnis und hätte ich nicht gehabt, wenn ich auf Instagram gewesen wäre.
[Alex] Und wie erklärst du dir, dass du immer noch genügend Mentees hattest, Anfragen hattest, dass da Instagram keine Rolle gespielt hat? Hast du andere Marketingkanäle gehabt oder wie kam das zustande?
[Karin] Ja, der Podcast, der ist ja ganz normal weitergelaufen und ich habe ja zum Podcast auch einen Newsletter, der jede Woche rausgeht und auch wenn viele behaupten, das wäre kein richtiges Marketing, bei mir kommen tatsächlich ganz viele auch über Empfehlungen.
Und ja, ich finde das super und ich freue mich total drüber und ich kriege jetzt nicht die Panik, weil ich mir denke, ja, das ist aber total unsicher und keine Ahnung, sondern ja, über Empfehlungen sind auch sehr viele gekommen und so hat das sehr, sehr gut funktioniert und die App habe ich eben auch.
Also es war natürlich schon auch ein Argument, dann zu sagen, naja, und wenn euch die Impulse fehlen über die Storys oder was auch immer. In der App sieht man mich natürlich nicht so wie in den Storys, aber wenn ihr mich weiterhin hören wollt, dann ladet euch die App runter und dann hört es mich jeden Tag.
Rückkehr zu Instagram und die neue Perspektive
[Alex] Und ist es jetzt mit Instagram oder Social Media? Also bist du immer noch in Pause oder bist du wieder zurückgegangen inzwischen?
[Karin] Ich bin wieder zurückgegangen. Ich muss dazu sagen, als Business-Mentorin ist es grundsätzlich so gewesen, dass ich auch in diesen Monaten, wo ich nicht auf Instagram war, ich sage jetzt einmal einmal in der Woche reingeschaut habe, weil ich natürlich Mentees habe, die schon auf Instagram sind.
Und um da so ein bisschen auf dem Laufenden zu bleiben, was die machen, manchmal haben sie mich auch gefragt und habe gesagt „Karin, kannst du dir das bitte anschauen? Wie findest du das oder so?“, war ich sozusagen involviert.
Im Moment bin ich wieder auf Instagram, aber ich muss ganz ehrlich sagen, es ist … Es spielt in meinem Marketing keine Rolle mehr. Also ich bin nicht auf Instagram, weil ich jetzt sage, ich muss jetzt da jede Woche posten und so weiter, sondern wenn ich Lust habe, dann mache ich was. Wenn ich keine Lust habe, mache ich nichts.
Ich glaube schon, dass ich im nächsten Jahr wieder eine größere Pause machen werde, wahrscheinlich wieder sechs Monate. Also ich finde, sechs Monate waren ganz fein. Und Instagram ist mir herzlich wurscht, muss ich ehrlich sagen.
Ratschläge an das frühere Ich
[Alex] Und letzte Frage, wenn du deinem früheren Instagram-Ich einen Rat geben könntest, also diesem Ich, das immer täglich gepostet hat und immer sonntags beim Frühstück das Handy in der Hand hatte vielleicht, welchen Rat würdest du diesem Instagram-Ich geben?
[Karin] Steck deine Zeit bitte in Long-Form und Long-Term-Content. Das wäre der Rat, den ich natürlich auch in meinen Slow-Business-Mentorings allen Frauen gebe.
Die Zeit zuerst in Langformate zu stecken und dann, wenn man das möchte, Instagram als Distributionskanal zu verwenden, aber nicht unsere komplette Kompetenz, unser Wissen in irgendwelche Postings zu stecken, die dann nach kürzester Zeit irrelevant sind.
Ich habe dann tatsächlich auch auf meinem großen Kanal eigentlich alle Postings gelöscht. Das waren ja 3500 oder so. Und da habe ich mir schon überlegt, wow, also wenn ich diese Zeit wirklich in Long-Form-, Long-Term-Content gesteckt hätte, ja, da hat man eine ganze SEO-Maschine gebaut in dieser Zeit.
Genau, das würde ich meinem früheren Ich raten.
[Alex] Ja, Karin, vielen, vielen Dank für das Gespräch. Ich freue mich sehr, dass du hier warst.
[Karin] Danke dir.
Shownotes
Themenwünsche?
Wenn dir ein wichtiges Thema im Podcast fehlt, sag mir gerne Bescheid. Ich freu ich mich auf deine Nachricht.